Mein Merkzettel

Speichern Sie interessante Seiten in Ihre Merkliste und versenden Sie diese an Ihre Freunde.

13.02.2017

Was Statistik über Extremismus nicht sagt!

Am 10.02.2017 veröffentlichte die Freie Presse den Artikel: „Wenn der Schüler ‚Sieg Heil‘ ruft. Die Polizei hat wegen rechtsextremistischer Taten an mehreren mittelsächsischen Schulen ermittelt. Vor allem Einrichtungen in Mittweida und Rechenberg-Bienenmühle waren betroffen“. Dieser und die zugrunde liegende Statistik über die Anzahl der rechtsextremistischen Vorfälle wirft nach unserer Ansicht ein falsches Bild auf die tatsächliche Situation in der Fichte-Oberschule Mittweida. Um problematische Jugendliche aufzufangen, hat diese Mittelschule seit 2015 ein Schulverweigererprojekt (Alternative Beschulung Mittweida - ABM) gemeinsam mit dem Verein zur Förderung der Beruflichen Bildung (VfB) und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Mittweida gestartet. In diesem werden Schulpflichtige aus bisher 10 Orten zeitweise der Fichte-Oberschule Mittweida (Schulort VfB) zugeordnet, um ihnen die Teilnahme am Unterricht wieder zu ermöglichen und vor allem, damit sie positiven pädagogischen Einfluss erhalten. Nur so ist es möglich, sich ihnen zu nähern und externe wie extremistische Einflüsse zu minimieren. Wir sind auf den Erfolg dieser für alle Organisatoren freiwilligen Maßnahme sehr stolz, da bereits 3 Schüler wieder in den normalen Unterricht in den Herkunftsschulen integriert werden konnten. Im Übrigen sollte man wissen, dass alle 3 zitierten Vorfälle von einer einzigen Person initiiert wurden!

Natürlich arbeiten die Pädagogen hier mit sehr problematischen Jugendlichen, natürlich versuchen diese auf die verschiedenste Art und Weise zu provozieren, so auch mit verfassungsfeindlichen Äußerungen. Es spricht aber für das konsequente Vorgehen der Verantwortlichen, dass derartiges nicht toleriert und sofort zur Anzeige gebracht wird. Die Beschulung dieser Schüler findet nicht in den Räumen der Schule, sondern im Förderverein statt. Jetzt hat diese Statistik aber dazu geführt, dass die gesamte Fichte-Schule, auch das Haupthaus mit seinen 420 Schülern, in dem Artikel angeprangert und verurteilt wird. Das kann so nicht akzeptiert werden! Dem beispielhaften Kampf um jeden Jugendlichen und damit gegen Extremismus wird durch eine solche Berichterstattung ohne Hinterfragen der statistischen Aussagen erheblich geschadet. Das kann doch nicht gewollt sein! Wir fragen uns: Sollen Schulen ihr freiwilliges Engagement in diesem Bereich einstellen, extremistische Tendenzen bzw. Äußerungen klein halten, nur um derartigen Berichten vorzubeugen, damit das Image ihrer Einrichtung erhalten bleibt?

 

Übrigens, es haben sich bereits Menschen uns gegenüber geäußert, die ihr vorgefasstes Bild über unseren Freistaat und über unser Mittweida durch diesen Artikel bestätigt sehen! Auf den für Mittelsachsen positiven Artikel in der Freien Presse vom 07.02.2017 unter dem Titel „Mittelsachsen - Kein Platz für Rechtsextreme“ haben diese uns gegenüber natürlich nicht reagiert. Darin wird leider sehr kurz darüber berichtet, dass es in Mittelsachsen keinen rechtsextremen Szenetreff von den bekannten 45 Treffs in Sachsen gibt!

 

Wir sind uns einig, dass wir mit unserem ABM-Projekt und dem konsequenten Vorgehen gegen extremistisches Verhalten den richtigen Weg für unsere Jugendlichen gehen. Diese anspruchsvolle Arbeit sollte, wenn sie schon nicht registriert wird, dann aber nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

 

Ralf Schreiber 
Oberbürgermeister

Matthias Möbius   
Schulleiter