Bau der Talsperre

Um die Jahrhundertwende (1900), als die Elektrizität ihren Einzug hielt in alle Bereiche der Wirtschaft und des Haushalts, suchte man allerorts nach neuen, gewinnbringenden Energiequellen. Vor allem die Nutzung der Wasserkraft stand daher im Interesse, da sich ihr natürliches Potential ständig erneuert.

Bereits 1911 gab es erste Überlegungen und schon Projekte, auch an der Zschopau ein solches Großkraftwerk zu errichten, dem eine Talsperre das kontinuierlich benötigte Wasser für die Turbinen zuleitete. Man dachte sogar daran, die Bahnstrecke Chemnitz-Mittweida Riesa mit Hilfe des so gewonnenen Stromes elektrifizieren zu können.

Der bald darauf beginnende Weltkrieg (1914-1918) und seine Folgen (bis zur Inflation im Jahre 1923) ließen das kühne Unternehmen ruhen. Erst danach besann man sich auf das Projekt, und der Ankauf der Lauenhainer Mühle im Jahre 1924 legte dar, dass der Baubeginn nahe rückte. Die Flussstrecke zwischen der Ehrenberger Wallanlage (1 km südlich der Burg Kriebstein), wo die Staumauer entstehen sollte, und dem durch die Mauerhöhe bedingten Anstau bis etwa zum Mittweidaer Auenbad, zur Via mala (9 km Länge) hatte man deshalb gewählt, weil hier nur ein Gebäudekomplex überflutet wurde, die Lauenhainer Mühle (mit Mahlwerk, Sägewerk, Pappenfabrik, Restaurant, Wohnhaus, Wehr und Fähre).

1926 begannen die Vorarbeiten für den Talsperrenbau. Da, wo jetzt die Gaststätte in Kriebstein mit Verkaufseinrichtungen (gegründet 1930 als "Sport-Hotel") ihren Platz hat, befand sich die Mischanlage für den Beton. Ein Granitsteinbruch am linken Uferhang lieferte das Zuschlagmaterial, und von der Straße Höfchen - Kriebstein her war eine schnelle Materialanlieferung anderer Baustoffe möglich. Mittels einer Feldbahn, die durch das Gelände des jetzigen Freibades führte, gelangte der Beton zur Baustelle im Fluss 85000 m³ Beton wurden verarbeitet. Sowohl nach den Seiten zu als auch in die Tiefe musste man die Mauer bis über 12 m weit einbinden, da der anstehende Granulit hier sehr brüchig war. Der Aushub wurde zum größten Teil im späteren Stauraum an der rechten Hangseite (Lochmühlenbucht) abgelagert, wobei der Transport auch hier mit Hilfe von Kippwagen auf Feldbahngleisen erfolgte, vielfach von Hand geschoben.
Eine Seilbahn, die über mehrere hohe Stahlgerüste geleitet wurde, brachte von der anderen Seite her Baumaterialien aller Art zur unteren Baustelle (jetzt Standort der Staumeisterei). Die Entladestelle Kriebethal (Industriebahn - Nebenstrecke von Waldheim zur Papierfabrik Niethammer) ließ so die Anfuhr von Bauhilfsgütern aller Art per Bahn zu.

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Der Bau der Sperrmauer wurde zunächst auf der linken Uferseite begonnen. Zwei hohe Stahlgittermasten mit Aufzug brachten das benötigte Baumaterial in die gewünschte Höhe, und mittels Holzrutschen wurde der Beton dann an die jeweilige Stelle geleitet. Viel Handarbeit floß seinerzeit in den Bau mit ein. Unter der Leitung der bauausführenden Firma Wayß & Freitag AG, die das Stammpersonal stellte, arbeiteten in den Jahren 1927 bis 1929 auch viele Arbeitslose aus Mittelsachsen mit. Sie erhielten eine geringe zusätzliche Entlohnung, wohnten in den benachbarten Gemeinden bei Bauern oder in Behelfsunterkünften und wurden je nach Bedarf eingesetzt. Dadurch verringerten sich die Baukosten wesentlich, und das gesamte Vorhaben einschl. Landankauf kostete am Ende (1930) etwa 6 Mill. Reichsmark.

Nur durch witterungsbedingte Pausen gehemmt, nahm der Talsperrenbau kontinuierlich seine Fortsetzung, wie aus Fotos ersichtlich ist. Zum Bau waren 212.000 "Tagewerke" nötig. Bereits am Jahresende 1929 konnte das Wasser angestaut werden und überflutete das Areal planmäßig flussaufwärts.

Ein großer Besucherstrom nahm dieses neue Landschaftsbild bald in Augenschein, und in den ersten Jahren war die Kriebsteintalsperre ein Touristenziel ersten Ranges, sogar Sonderzüge aus Leipzig und Dresden wurden dafür bereitgestellt. Auf dem Stausee florierte ein beachtlicher Motorbootsverkehr (maximal 8 Boote), und 4 Fähren verbanden die beiden Ufer. Wochenendsiedlungen, Zeltplätze, Freibäder und mehrere Gaststätten entstanden am Rande des Stausees, vor allem bei Ringethal, Lauenhain, Falkenhain, Lochmühle Erlebach und am linken Ufer neben der Sperrmauer.

Das 5000-Kilowatt-Wasserkraftwerk am Fuße der Staumauer, das größte Laufwasserkraftwerk seiner Art in Sachsen, liefert etwa 30 % der im Freistaat Sachsen durch Wasserkraft erzeugten Energie und kann damit etwa 1500 – 2000 Haushalte mit Strom versorgen.

Einige weitere interessante Details:

bewegte Erdmassen:

40.000 m³

Felsgestein

80.000 m³

Staufläche

130 ha

maximale Breite

300 m

Staumauer:

Sohlenbreite

21

Kronenbreite

4

Wassererneuerung des Stausees

1-2 mal / Woche

beim Hochwasser im Juli 1954

3,5 mal / Tag